Basler Freisinn: Gute Politik und Erfahrung sind keine Frage des Alters

Luca Urgese, Sie sind mit 25 Jahren der jüngste Kandidat auf der Liste. Worin unterscheidet sich ein Jungpolitiker von seinen älteren Parteikollegen?

Gute Politik ist nicht eine Frage des Alters, sondern der Geisteshaltung. Es gibt sehr konservative Junge ebenso wie Senioren mit wunderbarer geistiger Offenheit. Ein Junger hat aber wohl altersbedingt einen längeren Zeithorizont vor Augen. Für ihn sind die Schulden von heute die Steuern von morgen, er trägt die Hauptlast von unterfinanzierten Sozialwerken und er leidet später an Infrastruktur, zu der heute keine Sorge getragen wurde.

Dafür hat ein 50-Jähriger viel mehr Erfahrung. Ist das für Sie kein Nachteil?

Nein, denn nach meiner Überzeugung braucht es einen gesunden Mix aus Erfahrung und jungen, frischen Kräften. Im Übrigen sollte man die Erfahrungen eines Jungen nicht unterschätzen.

Na dann erzählen Sie doch mal von Ihren Erfahrungen!

Ich war während mehreren Jahren Mitglied des Studentenparlamentes und habe dort mittels Urnenabstimmung eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge, also höhere Abgaben für die Studierenden, verhindert. Als Mitglied einer Sozialhilfebehörde habe ich den Vorteil von subjektorientierter Unterstützung anstelle von mit der Giesskanne verteiltem Geld hautnah erlebt. Zudem präsidiere ich nun die Jungfreisinnigen Basel-Stadt seit mehr als drei Jahren und konnte mir in dieser Zeit viel Wissen über die politischen Abläufe aneignen.

Sie haben sich schon wiederholt als Anti-Verbots-Politiker positioniert. Sind Sie im Grunde ein Anarchist?

(lacht) Es ist wie bei allem, man soll es nicht übertreiben. Ich bestreite nicht, dass es gute Gesetze braucht, die auch mal ein Verbot enthalten können. Niemand will das Töten legalisieren! Aber wir müssen akzeptieren, dass der Mensch zunächst für sich selbst verantwortlich ist.

Ist das nicht ein Plädoyer für Egoismus?

Im Gegenteil! Wer für sich selbst Verantwortung übernimmt, trägt auch Sorge zu seinem Umfeld und pflegt es entsprechend. Man unterschätzt oft das soziale Wesen eines Menschen.

Interview erschienen im Basler Freisinn 04/2011 vom 15. September 2011.

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