Im April letzten Jahres hiess der Grosse Rat einen Kredit von fast einer Million Franken gut, für ein integrales Entwicklungskonzept für die Basler Innenstadt unter dem Titel „Innenstadt – Qualität im Zentrum“.

Gleichzeitig verweigerte er aber die finanziellen Mittel für die Einführung eines Verkehrsregimes mit elektronisch gesteuerten Anzeigetafeln für die aktuell geltende Verkehrsregelung. Dies weil grosse Uneinigkeit darüber herrschte (und auch heute noch herrscht), wie die Basler Innenstadt in Zukunft aussehen soll. Die isolierte Einführung der neuen Anzeigetafeln wurde deshalb abgeleht, weil man lieber ein Gesamt-Massnahmenpaket wollte.

Die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission des Grossen Rates (UVEK) definierte damals 6 Leitplanken, die eine neue Innenstadt-Vorlage erfüllen müsse:

1. Die Signalisation für die Zufahrt in die Innenstadt muss vereinfacht und vereinheitlicht werden.

2. Möglichst viele Strassen sollen als Fussgänger-, Begegnungs- oder Tempo 30-Zonen ausgestaltet werden.

3. Während der Sperrzeiten soll die Fahrt in den Kern der Innenstadt (Fussgängerzone) und über die Mittlere Brücke nur mit zeitlich und örtlich beschränkter Bewilligung erlaubt werden.

4. Zur Beschränkung der Zufahrt in den Kern der Innenstadt sei auch der Einsatz von mechanischen Sperren (sog. Poller) zu prüfen.

5. Die Innenstadt solle ohne grosse Umwege mit dem Velo durchquerbar sein und dieses als „rollende Einkaufstasche“ funktionieren können.

6. Das Fussgänger-Ypsilon (eine durchgehende Fussgänger-Zone Claraplatz – Mittlere Brücke – Marktplatz – Heuwaage bzw. Aeschenplatz via Freie Strasse) soll realisiert werden.

Mitte Mai ist nun das Mitwirkungsverfahren (siehe Grafik) gestartet worden. Vertreterinnen und Vertreter von rund 50 Organisationen und Interessengruppen entwickelten erste Grundlagen für die neue Innenstadt-Gestaltung. Die einzelnen Themen werden nun in Arbeitsgruppen vertieft und voraussichtlich im September konkretisiert. Ziel des gesamten Verfahrens ist eine „Vision 2020+“ für die Basler Innenstadt.

Wir sind sehr froh, dass im Bereich Innenstadt endlich vorwärts gemacht wird. Bereits vor vielen Jahren forderten die Jungfreisinnigen eine Umgestaltung des Stadtkerns. So verlangten wir im Jahr 2006 einen einheitlichen Belag in der Freien Strasse, was zwei Drittel der baz-Leser gut fanden. Wir alle wissen, dass der Flickenteppich leider immer noch existiert. In guter Erinnerung ist auch unsere Petition für eine verkehrsfreie Innenstadt, die wir im 2008 einreichten, die aber von der Petitionskommission ohne Gegenargumentation vom Tisch gewischt wurde.

Eines scheint mir klar: ein Fussgänger-Ypsilon ist nicht machbar. Zwei wichtige Verkehrsachsen, nämlich die Mittlere Brücke und die Elisabethenstrasse, müssten dafür gekappt werden. Aber eine Fussgängerzone in dieser Grössenordnung ist für unsere Stadt auch gar nicht notwendig. In erster Linie soll der enge Kern, nämlich die Achse Heuwaage – Steinenvorstadt – Marktplatz – Schifflände, als flächendeckende, mit einheitlichem Belag ausgestattete Fussgängerzone definiert werden. Schon damit könnte man den Verkehr elegant um die Innenstadt herumleiten und es wäre bereits viel erreicht…

Artikel erschienen im „Speaker’s Corner“ vom Juni 2009.