1. April 2010

Nach der Bildungsreform: Neu 13 Schuljahre bis zur Matur?

Kollegienhaus der Universität Basel

Der Weg zur Universität könnte bald länger werden. (Foto: Claude Giger, Universität Basel)

Mehrere Stunden hat der Grosse Rat über eine der grössten Schulreformen, die unser Kanton je erlebt hat, debattiert. Zu einem Ende gekommen ist er zwar noch nicht. Doch bereits jetzt zeichnet sich ein schwerwiegender Entscheid ab. 

Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der die Reformbedürftigkeit der Basler Schulen ernsthaft in Frage stellt. Sehr erfreulich also, dass die lange erwartete Schulreform endlich in das Beschlussstadium kommt.

Weniger erfreulich ist ein Teilentscheid, den der Grosse Rat in seiner ersten Mai-Sitzung getroffen hat: im neuen System soll ein Schüler dreizehn Jahre bis zur Matur absolvieren müssen. Dies könnte sich zum Pferdefuss der gesamten Vorlage entwickeln – vom Sonderpädagogikkonkordat einmal abgesehen.

Ein Blick zu Kollegen an Baselbieter Gymnasien, welche heute 12,5 Jahre bis zur Matur absolvieren müssen, zeigt: Die Baselbieter „verlieren“ in der Regel ein Jahr gegenüber den Baslern, weil sie erst im Dezember ihren Abschluss erlangen. Überbrückt wird diese Zeit mit Militär, Auslandreisen oder Nebenjob. Das kann aber nicht die Wunschvorstellung sein.

Mit der Verlängerung auf dreizehn Jahre würde Basel-Stadt nicht nur national ins Hintertreffen geraten, wo beispielsweise Zürich die 12-jährige Schullaufbahn kennt. Auch international würden die Basler Schüler zeitlich in Rückstand geraten. So verkürzen beispielsweise in Deutschland immer mehr Bundesländer die Schulzeit auf zwölf Jahre. Und auch PISA-Musterland Finnland hat sich für diese Dauer bis zur Hochschulreife entschieden.

Der Grosse Rat möchte offenbar den entgegengesetzten Weg einschlagen. Die Hoffnung bleibt, dass das Basler Parlament in einer allfälligen zweiten Lesung auf seinen Entscheid zurückkommen wird.

Artikel erschienen im „Speaker’s Corner“ vom April/Mai 2010.