Zu unserer Stadt Sorge tragen

30. April 2022

Fahre ich mit dem Velo nach der Arbeit am Abend nach Hause, mache ich manchmal einen Schlenker am Rheinufer entlang, um die Aussicht über den Rhein zu geniessen. In solchen Momenten wird mir besonders bewusst, wie gerne ich in Basel lebe. Auch darum wünsche ich mir, wir würden unserer Stadt an gewissen Orten mehr Sorge tragen.

Dazu gehören zweifellos all die Stellen, wo bei Nacht und Nebel Hauswände mit selten besonders geistreichen Tags verschmiert werden. Die Entfernung dieser Sprayereien ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel. Gleich gegenüber des Hauses, in dem ich wohne, lässt sich dies gut beobachten. Die saubere weiss gestrichene Fassade wird immer wieder aufs Neue vollgeschmiert. Bevor kurz darauf der Reinigungstrupp ein weiteres Mal aufmarschiert und die Schmiererei wieder entfernt.

Ich verstehe alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer, die dieses Spiel nicht ewig mitmachen wollen. Vor allem, weil sie jedes Mal wieder für die Reinigung der Fassade bezahlen müssen. Klar: Der Kanton leistet bereits heute einen Beitrag, sodass die Kosten sich auf 100 Franken begrenzen. Aber nach dem dritten oder vierten Mal reisst auch dem gutmütigsten Eigentümer wohl der Geduldsfaden.

Deshalb habe ich gemeinsam mit einem Ratskollegen in einem Vorstoss verlangt, dass der Kanton künftig sämtliche Kosten übernehmen und proaktiv auf die Hauseigentümerinnen zugehen soll. Damit sollen nicht nur die Strassen von Basel schöner werden. Aus Studien wissen wir, dass sich dies auch positiv auf die Sicherheit und die Sauberkeit auswirkt (sog. «Broken Windows-Theorie»). Der Vorstoss wurde diese Woche vom Grossen Rat erfreulicherweise überwiesen. Leider nur mit sehr beschränkter Unterstützung von Links-Grün.

Ein weiteres Beispiel ist der Marktplatz. Seit Jahren wird der Platz unter seinem Wert verkauft. Der Strassenbelag ist kaputt, die Strassenführung unbefriedigend und das Trottoir verunmöglicht es, dass auf der Sonnenseite des Platzes herausgestuhlt werden könnte. Meine Hoffnung, mit der Sanierung der Freien Strasse werde der Marktplatz endlich auch umgestaltet, zerschlug sich, als ich zur Kenntnis nehmen musste, frühestens ab 2027 sei eine Umgestaltung vorgesehen.

Zusammen mit einem Ratskollegen bin ich deshalb aktiv geworden. Gemeinsam fordern wir, dass die längst überfällige Umgestaltung des Marktplatzes schneller in Angriff genommen wird. Idealerweise gleich im Anschluss an die Freie Strasse. Damit das Herz von Basel endlich die Piazza bekommt, die es verdient. Der Vorstoss wurde diese Woche erfreulicherweise ohne Gegenstimme überwiesen.

Dies sind nur zwei kleine Beispiele. Ich bin überzeugt, unsere Stadt hat noch Potenzial, wenn wir ihr mehr Sorge tragen. Im Grossen wie im Kleinen.

Luca Urgese

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