18. Oktober 2010

Eine Senkung der Gesamtmobilität macht Sinn

S-Bahn-Haltestelle Niederholz (Foto: Juri Weiss)

Ökologisch nicht nur ein Segen: die S-Bahn (Foto: Juri Weiss)

In einem bemerkenswerten Gespräch mit der Basler Zeitung fordert LDP-Grossrat Andreas Albrecht, Präsident der grossrätlichen Bau- und Raumplanungskommission, eine Senkung der Gesamtmobilität. Eine Forderung, die aus raumplanerischer, ökologischer und finanzieller Sicht absolut Sinn macht.   

Bemerkenswert finde ich die Äusserungen deshalb, weil es um eine eigentlich naheliegende Feststellung geht. Diese scheint aber politisch derzeit nicht opportun zu sein:   

Der Ausbau und die massive Subventionierung des öffentlichen Verkehrs hätten zwei wesentliche negative Folgen, sagt Albrecht: Sie steigerten das Gesamtverkehrsaufkommen und förderten die Zersiedelung der Landschaft. «Die Zeit, die ein Pendler für seinen täglichen Arbeitsweg in Kauf nimmt, ist einigermassen konstant», sagt Albrecht. «Entsprechend bewirken bessere Verkehrsverbindungen bloss, dass die Pendler noch weiter aufs Land ziehen.»      

Der Artikel provozierte geharnischte Kommentare auf bazonline und kritische Leserbriefe in der gedruckten Ausgabe. Dabei geht es um die durchaus berechtigte Frage, ob wir mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs so weitermachen können wie bisher. Dies sowohl aus ökologischen als auch aus finanziellen Gründen.   

Niemand will den Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln generell in Frage stellen. Es macht Sinn, wenn der Individualverkehr auf den öV verlagert werden kann. Jedoch generiert der Ausbau von S-Bahn, Zug-, Tram- und Buslinien eben nicht nur Umstiege vom Auto auf den öV, sondern auch generell mehr Verkehr. Was für das Auto gilt, gilt hier auch für den Zug. Der Grund ist einfach: wer mit der S-Bahn schnell, günstig und staufrei vom Umland in die Stadt kommt, der zieht auch eher dorthin, weil das Steuerniveau eben ein bisschen tiefer ist, die Krankenkassenprämien billiger sind usw. Man profitiert von ländlicher Ruhe und ist gleichzeitig ganz nahe am Puls der Stadt.   

Der öffentliche Verkehr muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, seinen Teil zur Zersiedelung der Schweizer Landschaft beigetragen zu haben.   

Auch finanziell sind kritische Gedanken angebracht. So schiebt die SBB Unterhalts- und Infrastrukturkosten in dreistelliger Millionenhöhe vor sich hin. Trotzdem werden immer neue Bahnlinien und -verbindungen gefordert. Relevant sind bei solchen Forderungen weder Rentabilität noch Nutzen, sondern die regional gleichmässige Verteilung von Bundesgeldern. Längst überfällige Projekte aus den Zentren bleiben hingegen jahrelang in der Pipeline und müssen schlimmstenfalls von den Kantonen vorfinanziert werden. 

Die Schweizerische Verkehrspolitik sollte sich wieder darauf besinnen, die Verbindungen zwischen den Zentren zu stärken und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs nicht ungebremst voranzutreiben. Stattdessen ist die Preispolitik zu überdenken und dafür zu sorgen, dass das Wohnen in der Stadt wieder attraktiver wird. Nur so werden wir die Gesamtmobilität langfristig wieder senken können.